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Biografie
Oft werden wir bei Auftritten gefragt, wie denn eigentlich eine Band zusammenfindet, oder wie es zu
einer CD-Produktion kommt. Durch Zufall spielen auf dieser CD nur Musiker, die aus Kiel und der
unmittelbaren Umgebung stammen, hier ihre ersten musikalischen Erfahrungen gesammelt haben und z.T.
schon seit Jahren zusammen Musik machen. Ich möchte mich daher hauptsächlich auf die mitwirkenden
Musiker dieser CD beschränken und aus meiner Sicht einen kleinen Blick auf die Kieler Bluesszene, aber
auch Hamburger Szene der letzten 25 Jahre zu werfen.
1980 lebte ich in dem kleinen Dorf Prasdorf, welches ungefähr 20 km außerhalb von Kiel liegt und war als 15-jähriger Blues & Boogiepianist in einigen Schülerbands aktiv. Ich war als klassischer Pianist aufgewachsen, aber eine Aufzeichnung im Radio der Hamburger Boogie & Blues Pianisten Axel Zwingenberger und Vince
Weber hatte bei mir die Leidenschaft für diese faszinierende Musik geweckt. Ich kaufte ihre Aufnahmen
und auch viele andere LPs und übte endlose Stunden zu diesen Platten. Auf vielen dieser Aufnahmen waren
auch erstklassige Mundharmonikaspieler, aber erst als ich Paul Jones mit „The Blues Band“ im Rockpalast
sah, traf mich der Sound der elektrisch verstärkten Mundharmonika wie ein Schock. Das wollte ich auch
gerne können. Am nächsten Tag kaufte ich mir eine Mundharmonika und begann ohne Anleitung mir das
Spielen selbst beizubringen. Im Nachbardorf, in Lutterbek, begann sich eine wöchentliche Bluessession im
„Lutterbeker“ zu etablieren. An diesen Sessions nahm fast die gesamte damalige Kieler Bluesszene teil,
hauptsächlich aber die Mitglieder von „Boogie Chillen“ um die Gitarristen und Sänger Daffy Deblitz und
Detlef Reimers und die „Handicap Blues Band“ um Heiko Puschke, Bernd Pridat und Axel Zielinski. Ich
wurde regelmäßiger Gast bei diesen Sessions und lernte sehr, sehr viel in dem darauffolgendem Jahr. Kam
ich mit einem Song nicht zurecht, kaufte ich mir die entsprechende Aufnahme, übte und konnte ihn beim
nächsten Mal besser spielen. Nach einem Jahr löste sich die Session leider auf. Daffy Deblitz und Detlef
Reimers fanden sich zum Duo „Daffy & Dedel“ zusammen, machten aber auch mit „Boogie Chillen“ viele
Auftritte, bei denen ich regelmäßig Zuhörer war.
Eine neue Session bildete sich in Kiel im „Cockroach“ um den Hamburger Pianisten Gottfried Boettger,
Daffy Deblitz und Detlef Reimers. Dort traf ich auf den gleichaltrigen Gitarristen Jan Mohr, der damals schon
toll spielte und wir jammten nächtelang. Ich wurde langsam immer besser, gewann Selbstvertrauen und
Gottfried nahm mich, zusammen mit Daffy, auch gelegentlich zu richtigen Auftritten mit. Ich bekam das erste
Mal Gage und in mir wurde der Wunsch geweckt auch einmal professioneller Musiker zu werden. Mit den
Schülerbands lief es allerdings nicht besonders gut, denn wir übten viel, hatten aber keine Auftritte. Dann
bildete sich die Band „9 hour call“ mit J.J. Draeger (voc, hammond), Jan Mohr (guit.), Ullrich Rank (bass),
Georg Diercks (drums) und mir. Ich glaube, daß Jan mich angerufen hat, ob ich nicht Lust hätte, in einer
richtigen Band zu spielen. Natürlich wollte ich. Unser Programm bestand hauptsächlich aus Stücken der
Fabulous Thunderbirds, die damals sehr angesagt waren, und Songs von Robert Cray. Die Band hatte
ungefähr 30 bis 40 Auftritte pro Jahr und machte sich einen guten Namen in den Schleswig-Holsteinischen
und Hamburger Clubs. Deltlef Reimers zog beruflich bedingt nach Hamburg und Steve Baker (harmonicas),
der zu dieser Zeit ebenfalls in Hamburg wohnte, wurde sein Partner. Daffy, der nun ohne Partner war,
erinnerte sich an die Sessions im „Cockroach“ und auch an unsere Auftritte mit Gottfried und fragte mich,
ob wir nicht als Duo auftreten wollten. Daffy war in den letzten 5 Jahren einer meiner musikalischen „Helden“
gewesen und natürlich wollte ich mit ihm Musik machen. So spielte ich zu dieser Zeit neben „9 hour call“
auch als Duo mit Daffy zusammen. Meine Schulzeit endete und ich musste 15 Monate Bundeswehr hinter
mich bringen. „9 hour call“ löste sich in dieser Zeit auf, Jan Mohr schloß sich der Charlie Schreckschuß Band
an, in der auch Steve Baker aktiv war, und ich war nun hauptsächlich mit Daffy unterwegs, manchmal
begleiteten wir auch Gottfried Boettger.
Bei einem unserer Auftritte, im „l´etage“ in Kiel, ich muß ungefähr 22 Jahre alt gewesen sein, schaute
der ebenfalls 22-jährige Pianist Georg Schroeter vorbei. Georg war in der Nähe von Lütjenburg aufgewachsen,
hatte schon als 5-jähriger mit klassischem Klavierunterricht begonnen und sich dann aber als Jugendlicher
der Blues- und Rockmusik zugewandt. Er war dann nach Braunschweig gezogen und hatte dort Klavierbauer
gelernt. Georg hatte dort auch einige Auftritte als Barpianist gemacht, bevor er jetzt nach Kiel gezogen war,um hier als Klavierstimmer zu arbeiten. Georg wurde mein engster musikalischer Partner und mein bester
Freund. Er wohnte über dem Klaviergeschäft, in dem er arbeitete und wir beide trafen uns dort manchmal
nachts, um an zwei Flügeln zu jammen. Georg schloß sich der Südstaatenrockband „White Lightnin“ an,
kam aber oft bei den Auftritten von Daffy und mir vorbei und stieg immer mit ein, wenn ein Piano da war.
So bildete sich aus uns dreien die „Jambirds“. Wir hatten nun, neben unseren anderen Auftritten, einen
wöchentlichen Gig im „Bistro“ am Jägersberg. Das Publikum wünschte sich Titel und wir jammten diese
Songs, wenn wir sie kannten. So kamen wir zu unserem Namen. Recht schnell erspielten wir uns einen
guten Ruf und hatten so 80 bis 100 Auftritte pro Jahr auf Partys, in Clubs und Festivals. Mit einigen Songs
kam ich nicht besonders gut zurecht, aber dann besuchte ich einen Auftritt von Detlef Reimers und Steve
Baker im „MAX“. Steve war der erste phantastische Mundharmonikaspieler, den ich „live“ hörte. Nach dem
Auftritt nervte ich ihn solange, bis er zustimmte, mir Unterricht zu geben. Einen besseren Lehrer hätte ich
nicht finden können und so fuhr ich öfter nach Hamburg und bekam Unterricht von einem der besten
Mundharmonikaspieler.
Georg war mittlerweile mit Gottfried befreundet und nahm bei ihm lehrreiche Stunden. Die „Jambirds“
erspielten sich langsam einen Namenüber die engen Grenzen von Schleswig-Holstein hinaus. Neben den„Jambirds“ waren sowohl Georg, Daffy und ich auch in anderen Formationen tätig, wie z.B. „Blues Manner
Band“: Daffy, Georg, Thomas Jahnke (bass), Peter Weise (drums) und ich. Wir hatten vornehmlich Robben
Ford und Eric Clapton Songs im Programm, „White Lightnin´“(Südstaatenrock), „Kick“, aus der später die
Santancoverband „Carlos“ mit Daffy als Gitarristen hervorging, Fabian´s Reflex: Fabian Regensburger (piano).
Den Part des Solisten übernahmen abwechselnd entweder Klaas Wendling (sax!) oder ich, Gesche Claasen
(Latin Jazz), Christian Fuchs (piano), Barni Soehnel (guit., voc) und die Joe Cocker Illusion Band um nur einige zu nennen. Zeitweilig war ich in 15 Bands aktiv. Daffy war beruflich ziemlich eingespannt und konnte nicht mehr so viele Auftritte annehmen, wie er wollte und so begannen Georg und ich vermehrt als Duo
umherzureisen. Georg übernahm jetzt zusätzlich auch den Part des Sängers. Ich war jetzt ungefähr 25 Jahre
alt und mein Leben als professioneller Musiker begann. Ich stieg langsam aus fast allen Bands aus und
konzentrierte mich nur noch auf die „Jambirds“ und das Duo mit Georg – die Zahl der Auftritte stieg ständig.
5 Jahre später wollten Georg und ich unsere ersten Aufnahmen machen. Wir mieteten das Überschall-Tonstudio von Andreas Linnemann für eine Woche. Der Aufnahmeraum ist toll, es sind die besten Mikrofone
am Start und Andreas ist ein sehr souveräner und unterhaltsamer Aufnahmetechniker, trotzdem lief der
erste Aufnahmetag nicht besonders gut. Wir waren Live-Musiker und waren das Arbeiten im Studio nicht gewohnt und so entschlossen wir uns kurzerhand für den nächsten Tag Barni Soehnel (guit.,voc) einzuladen,
um mit ihm eine CD aufzunehmen. Georg und ich hatten mit Barni in den letzten Jahren immer wieder
einige Gigs gemacht. Barni war ein bisschen überrascht über das Angebot, aber wir nahmen dann die
gesamte CD innerhalb eines Abends auf. Wir hatten das Studio länger gebucht und so spielten wir in den
nächsten drei Tagen unsere zweite CD ein und zwar mit den „Jambirds“. Gemischt wurde die CD vom
Frankfurter Gitarristen und Sänger Tom Ripphahn. Wir hatten Tom (guit., voc.) Jahre vorher bei einem
unserer Auftritte getroffen. Er gab uns die CD „Restless Heart“ seiner Band „Hands on the wheel“, die er
selber produziert hatte und wir waren total begeistert. So lag es nahe, ihn zu bitten, unsere CD zu mischen.
Daffy hatte in seinem Beruf immer mehr zu tun und Georg und ich wollten und mussten immer mehr
Auftritte spielen. Wir waren mittlerweile bundesweit unterwegs und so lösten sich die Jambirds, nach 10
Jahren gemeinsamer Zeit, langsam auf.
Verstärkt traten wir mittlerweile mit der Hamburger Blueslegende
Abi Wallenstein (guit., voc) auf. Wir hatten in den letzten Jahren einige gemeinsame Konzerte gehabt und
wir freuten uns, dass Abi zwei Stücke mit uns für unsere nächste CD „42 Minutes“ aufnahm. Eigentlich
wollten wir schon wieder eine Duo-CD aufnehmen, aber ein Gast nach dem anderen gesellte sich auf die
Platte: Abi Wallenstein, Barni Soehnel, der die CD auch produziert und gemischt hat, Daffy Deblitz, Sönke
Liethmann (perc.) und Prof. Washboard aus Arkansor (USA). Prof. Washboard hatte ich auf der Kieler
Woche gehört und war fasziniert von seinem unglaublichen Auftritt, ich sprach ihn an und er hatte auch
sofort Lust, auf der CD mitzuwirken. In den nächsten Jahren spielte ich, wie auch in den Jahren zuvor, die meisten Auftritte mit Georg. Als
Duo begleiteten wir aber oft auch so prominente Bluesmusiker wie Abi Wallenstein, Tom Shaka, Albie
Donelly aber auch die Beatlegende Tony Sheridan. Georg hatte außerdem viele Auftritte mit dem „Boogie
Quartett“ und so stieg ich in die Professor Washboard Band ein, in der viele Musiker aus Amerika und
Deutschland spielten : u.a. Jack Cook (Seattle; USA) Ryan Donohue (New Orleans, USA), Andy Hart
(guit./voc) aus Hamburg, und so lernte ich auch Lars Vegas (guit., bass), kennen, der früher jahrelang in der
Kieler Rock-a-Billy Band „The Pumpkins“ gespielt hatte. Wir waren ungefähr drei Jahre zusammen in der
Professor Washboard Band, bis Lars die Band verließ, nach Berlin zog und mit Klaas Wendling (drums) die
phantastische Band „Lars Vegas & The Love Gloves“ (Dresden & Berlin Blues Award) gründete. In den
nächsten Jahren unternahmen wir einige Touren mit Jack Cook und Ryan Donohue, begleiteten Andy Hart
und nahmen mehrere CDs in verschiedenen Besetzungen auf, die z.T. von Tom Ripphahn gemischt wurden.
2003 trafen sich Daffy und Detlef nach über 15-jähriger Pause im Überschall-Tonstudio, um eine Jubiläums-CD aufzunehmen. Für einige Stücke fragten sie Georg, ob er nicht mit einsteigen wollte. „Ain´t Nobody
Business“ hat den Weg aus dieser Session dann auf diese CD gefunden. Georg war begeistert von Detlefs
Stimme und er machte sogleich einen Auftritt ab. Da Georg und ich selten getrennt auftreten, fragte er
mich, ob ich nicht auch Lust hätte, dabei zu sein. Aus einem Auftritt entwickelte sich, wie so oft, eine
Bandgründung und wir nannten uns jetzt gerMAN´s Classic Blues Trio.
Ich wollte gern die Stücke, die Detlef spielt, lernen und wir brauchten Demoaufnahmen und so mietete
ich mal wieder das Überschall-Tonstudio. Detlef nahm unglaubliche 25 Stücke in weniger als 4 Stunden
auf. Das war weit mehr, als wir brauchten und ich fand sie so gut, dass ich mich entschloß, aus diesen
Aufnahmen eine CD zu produzieren. Wenig später war ich mit Jack Cook, Lars Vegas und Klaas Wendling
wieder auf Tour. Wir hatten einige Tage frei, und wieder mietete ich das Überschall-Tonstudio, um diesmal
mit Jack Aufnahmen zu machen. Am nächsten Tag stieß Detlef dazu, und so entstanden die Bandaufnahmen
dieser CD. Wir trafen Jan Mohr nun wieder öfter. 1996 hatte er die tolle Hamburger Band „The Chargers“
mit Martin Bohl (harmonica) und Dirk Vollbrecht (bass) gegründet und bei einigen Auftritten spielten wir
nun zusammen. Ich stellte Jan die Aufnahmen mit Detlef vor. Sie gefielen ihm sofort und er wollte gerne
dabei sein, so machten Georg, Jan und ich nun sogenannte „overdubs“: die Musiker spielen später auf die
Aufnahmen. Die Musikaufnahmen waren im Kasten und wurden wieder großartig von Tom Ripphahn
gemischt.
Für mich schließt sich in gewisser Weise ein Kreis, denn wir haben auf dieser CD viele der Stücke, die
wir schon damals vor 25 Jahren im Lutterbeker gespielt hatten, aufgenommen. Es ist viel Zeit vergangen,
aber die Musiker sind alle zum Glück noch da und machen immer noch die Musik, die sie lieben.
Marc Breitfelder, 2005
(der Text ist dem Booklet der CD “That´s allright” entnommen (pdf, 1,845 Mb))
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